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Die Graue Liste und die Phones

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Warum diese Website?

Mit dieser Website verfolge ich das Ziel, alles, was ich über die Phones und die Graue Liste recherchiert habe, zu dokumentieren. Außerdem möchte ich alle Besucher, die mir weitere zweckdienliche Hinweise geben können, bitten, mich über mein Gästebuch zu kontaktieren.


Wie ich auf die Phones stieß

Seitdem ich im Wintersemester 1990 für mein Phsysikstudium nach Bonn gekommen war, verfolgten mich die Phones. Es fing damit an, dass ich in der Institutstoilette obskure Inschriften wie "Zuck bei grau", "Gute Phones tailen 9,0" oder "Hämt die Mirror-Phones" entdeckte. Später sah ich derlei Graffiti und Aufkleber überall im Unigelände, vor allem im Hauptgebäude. Nachdem was ich bis dahin herausgelesen hatte, waren die Phones eine Art geheimbündnerische akademische Jugendbewegung, die in mindestens sechs Fraktionen zersplittert waren: "Gute Phones", "Mirror-Phones", "Nihilo-Phones", "Hedo-Phones", "Hammer-Phones", "Spider-Phones".

Die meisten Grabenkämpfe wurden aber zwischen den "guten Phones" und den "Mirror-Phones" ausgetragen. Strittig waren vor allem die Länge der Haarsträhne ("Phonetail") auf der Stirnmitte (gute Phones: "9,0 cm" und Mirrors: "4,0 cm"), die PH-Schreibweise (gute Phones schrieben durchgehend alle F-Laute als PH, z.B. "phuck ophph" statt "fuck off") und das Leibgetränk (gute Phones: Cherry Coke, Mirror-Phones: Fanta-Mango). Auffallend waren die vielen Zahlencodes zwischen einzelnen Wörtern wie "045059,045zbg000", die ich indes nie zu entschlüsseln vermochte.

Bei einem Kommilitonen entdeckte ich dann ein "Lehrbuch der Phone-Sprache", ein etwa zwanzigseitiges Heft, in dem die wichtigsten Phone-Eckdaten sowie Phone-Wörter erklärt wurden. Der Kommilitone hatte das Heft in der Cafeteria des Hauptgebäudes gefunden und mitgenommen.

Als dann zu den Studentenparlamentswahlen Anfang 1991 eine "Graue Liste" kandidierte, die in der offiziellen Wahlzeitung auf vier Seiten Blocksatz-Text in Phone-Orthographie vermittelte, dachte ich, dass ich das Rätsel der Phones bald lüften würde, denn schließlich steckten hinter der Liste ja Kandidaten aus Fleisch und Blut, die ich befragen konnte. Es tauchten zwar Wahlplakate der Grauen Liste auf, doch bis zur Wahlparty am Abend der Auszählung bekam ich keinen Kandidaten der Grauen zu Gesicht. Vertreter anderer Hochschulgruppen erklärten mir, dass sie auch keine Ahnung hätten, wer hinter der Graue Liste stehe und wofür sie überhaupt stehe, und das obwohl die Graue Liste bereits seit 1988 regelmäßig zur Wahl antrete. Und wie groß war meine Enttäuschung, als auf der Wahlparty zwar ein Stand der Grauen Liste aufgebaut war, doch der Kandidat erklärte, er und die anderen drei Kandidaten seien für das Kandidieren nur üppig bezahlt worden und keiner wüsste, was die Graue Liste damit bezwecken wolle und wer überhaupt die Phones seien.

Die Graue Liste, die öfters ihren Namen änderte ("Bündnis 9,0" oder "CSC"), deren Kandidatenpersonal jedoch, ob bezahlt oder nicht, eine gewisse Kontinuität aufwies, trat zum letzten Mal 1998 zu den SP-Wahlen in Bonn an. Bis dahin ist es mir nicht gelungen, aus einem der Kandidaten mehr über die Phones in Erfahrung zu bringen, als ich schon aus deren offiziellen Verlautbarungen wusste. Ich war zwar auf Wahlkampfveranstaltungen und Konzerten (die Phones pflegen einen eigenen Musikstil) der Phones, wo diese tatsächlich teilweise mit grauen Kleidern und Phonetail erschienen, doch immer wenn ich sie zu Sinn und Ursprung der Phones befragte, verwiesen sie lächelnd auf ihre spärlichen Publikationen. Richtig warm werden konnte ich mit keinem der Phones.

Seit 1998 gibt es praktisch kein Lebenszeichen der Phones mehr. In keiner deutschen Unistadt nahm die Grauen Liste je wieder an SP-Wahlen statt, und soweit mir bekannt ist, gab es auch seitdem kein Phone-Konzert mehr. Offenbar hatte die Phone-Bewegung tatsächlich ein Verfallsdatum, das jegliche Phone-Aktivität wie vom Erdboden verschlucken ließ.

Ich bin mir sicher, dass ich nicht der einzige bin, den dieses Phänomen nicht losgelassen hat, dessen Leben die Phones praktisch verändert haben und der gerne etwas mehr Licht ins Graue der Phone bringen würde. Aus Sicherheitsgründen gebe ich auf dieser Site keine Email-Adresse an. Ich würde mich aber sehr über Einträge ins Gästebuch mit Hinweisen und ggf. Kontaktdaten wie Mail-Adresse freuen. Ich schreibe dann so schnell wie möglich von einem Internetcafé aus zurück.

Über die Phones

Chronik der Grauen Liste in Bonn